Verdun 2016

      

    

 

 

100 Jahre Verdun- Was bleibt in uns?

Im Rahmen eines Projektes im Fach Geschichte konnten wir, 5 Schülerinnen und Schüler der E-Phase der Albert-Schweitzer-Schule in Kassel, für eine Woche eine wirklich besondere Reise ins Elsass antreten, welche von Herrn Klaus organisiert und von ihm und Herrn Kirsch begleitet wurde.

Dort haben wir, anlässlich des Gedenkens an die Schlacht von Verdun vor 100 Jahren, vor Ort den Versuch unternommen zu erforschen, was vom 1. Weltkrieg heute noch „präsent“ ist.

Zunächst hielten wir uns fünf Tage in Niederbronn, einem kleinen Ort 50 km westlich von Straßburg gelegen, im Centre d`Albert Schweitzer auf.  Dort nahmen wir gemeinsam mit etwa 35 anderen deutschen und französischen Jugendlichen im Alter von 12 bis 18 Jahren an Workshops rund um das Thema „1. Weltkrieg“ teil.

Wir ASS-Schüler wählten die Kunstgruppe und haben in zahlreichen Arbeitsschritten gelernt mit der Hand eines fremden französischen Partners zu zeichnen. Dies diente dazu, mit etwas Unbekanntem umgehen zu lernen, weil der 1. Weltkrieg für uns Jugendliche sehr weit zurückliegt und einen fremden Charakter hat. Zunächst haben wir „wild drauf losgemalt“, um langsam ein Gefühl für das Material zu bekommen. Mit der Zeit entwickelten sich kleine Kunstwerke und wir haben nun als Grundlage Bilder aus dem 1. Weltkrieg verwendet, die wir Jugendlichen zuvor aus unseren Familienkreisen gesammelt haben. Die Bilder wurden mit unterschiedlichen Stiften jeweils in deutsch-französischen Zweierpaaren übermalt, ausgemalt und verändert. Am Ende sind schließlich tolle Bilder entstanden und die Ergebnisse sind in der Nähe von Verdun (auf dem deutschen Soldatenfriedhof Romagne-sous-Montfaucon) noch das ganze Jahr über ausgestellt.

Außerdem haben wir einen deutschen Soldatenfriedhof in Niederbronn besucht, wo mehr als 15 000 Soldaten, die auf Seiten des dritten Reichs kämpften, begraben sind. Die bloße Masse der Kreuze und das Gespräch über die Biographien der Toten regte tiefgreifende Gedanken innerhalb unserer Gruppe an, welche auch vom fachkundigen Personal der Gedenkstätte begleitet wurden.

Einen weiteren Höhepunkt stellte ein Tagesausflug nach Straßburg dar. Wir haben einiges über den Europarat und das europäische Parlament sowie über die Stadt an sich gelernt und diese bei einer Stadtrally entdeckt. Zudem wanderten wir bei strahlender Sonne an der deutsch-französischen Grenze und besuchten die Maginot-Linie. Die Bunker waren sehr kalt, nass und dunkel. Für uns ist es heute nur schwer vorstellbar, dass die Soldaten damals dort Wochenlang ohne Tageslicht gelebt haben.

Die letzten drei Tage unserer Reise führten uns schließlich nach Verdun, wo wir in dem neu eröffneten Verdun Memorial einiges über die Schlacht gelernt haben. Wir besuchten natürlich auch ehemalige Schlachtfelder in der Region um Verdun.

Auffallend war, dass die Gräben immer noch problemlos zu erkennen sind, es wurden lediglich ein paar Bäume darauf gepflanzt. Dort haben sich die Soldaten vor genau 100 Jahren 300 Tage lang ohne jegliche Errungenschaften von beiden Seiten bekämpft. Wir können heute nur schwer verstehen, wie dies möglich war. Unsere Eindrücke beim Besuch der von den Soldaten angelegten Gräben, unterirdischen Anlagen und Kriegsfestungen waren deshalb auch von einem „Schaudern“ begleitet.

Am Samstag nahmen wir an der Beerdigung des deutschen Soldaten Hans A.W. Winkelmann aus Ratzeburg teil. Dieser starb in der Schlacht von Verdun, vermutlich am 20.08.1917. 2014 wurde bei Forstarbeiten seine Leiche gefunden und nun auf dem Soldatenfriedhof in Romagne-sous-Montfaucon durch den Volksbund Kriegsgräberfürsorge e.V. beigesetzt. Der deutsche Botschafter in Frankreich, Herr Nikolaus Meyer-Landrut, nahm an der Beisetzung teil. Im Anschluss kamen wir mit vielen Personen aus Deutschland und Frankreich ins Gespräch und konnten dem Präsidenten des deutschen Völkerbundes unsere Bilder vorstellen. Schließlich haben wir den an die Beerdigung angeschlossene Empfang im Gemeindehaus des Ortes besucht, welchen der deutsche Botschafter eröffnete.

Den krönenden Abschluss bildete am Sonntag unsere Teilnahme an einer sehr kleinen (unter 100 Teilnehmer), aber umso imposanteren Gedenkveranstaltung auf dem Friedhof von Consenvoye.

Die deutsche Bundeskanzlerin Dr. Angela Merkel, der französische Präsident Francois Hollande, der Präsident des Volksbundes Deutsche Kriegsgräberführsorge und Außenminister a.D. Markus Menkel, die Bundesverteidigungsministerin Ursula von der Leyen, der deutsche Botschafter in Frankreich und der Pressesprecher der Bundesregierung waren anwesend, ebenso wie viele weitere hochrangige Gäste aus der deutschen und französischen Politik. Wir konnten aus etwa 20 Meter Entfernung an der Kranzniederlegung teilhaben, bevor die Gäste zu den großen Feierlichkeiten in Verdun weiterreisten.

Unsere Reise, gemeinsam mit weiteren Schülern aus Freigericht (Hessen) und den Schülerinnen und Schülern aus Frankreich stieß auch innerhalb der französischen Medien auf Interesse. So gaben wir Interviews für das französische Fernsehen und kamen kurz in einen Beitrag für das Nachtjournal von RTL vor. 

Zusammenfassend lässt sich sagen, dass die Reise sehr interessant und eindrucksvoll war und sicher auch einen Beitrag dazu geleistet hat, die deutsch-französische Freundschaft zu festigen.

(Text: Marlene Töniges E2 und Hr. Kirsch, Bilder A. Moreau und Hr. Kirsch)

 

Ein Bericht (auf Französisch) zur Gedenkfeier in Romagne-sous-Mountfaucon finden sie hier:

http://france3-regions.francetvinfo.fr/lorraine/meuse/romagne-sous-montfaucon-inhumation-d-un-soldat-allemand-de-14-18-1008695.html

Einen Bericht mit 3 Videos zur Kranzniederlegung der deutschen Bundeskanzlerin (auf Französisch) finden Sie hier:

http://france3-regions.francetvinfo.fr/lorraine/meuse/hollande-et-merkel-au-cimetiere-de-consenvoye-1009069.html