RIPA 2016: „INMITTEN: Ich bin Leben, das leben will, INMITTEN von Leben, das leben will.“ „Das wenige, was Du tun kannst, ist viel.“

 
 

Auch 2016 war das Ripa-Projekt unter dem Thema „INMITTEN – Ich bin Leben, das leben will, INMITTEN von Leben, das leben will“ geprägt vom großartigen Einsatz aller Beteiligten und von den kreativen Ideen und vielfältigen Impulsen aus der Schulgemeinschaft.

Beispielhaft für viele andere gelungene Klassenprojekte, Ideen und Angebote, möchte wir hier in Kürze Ausschnitte aus drei Elementen des RiPa-Abends wiedergeben – eines Abends, der knapp 200 Gästen einen ebenso nachdenklichen wie unterhaltsamen Einblick ermöglichte.

 

Den Rahmen des Abends bildeten das Grußwort von Herrn Riehl als Vertreter der Vorbereitungsgruppe und der wieder einmal faszinierende Vortrag von Herrn Dr. Rappert, der Neues und   Berichtenswertes aus der Klinik „Tucunare“ im Urwald mitbrachte.

 

Die Moderation des Abends hatten Marisa Hempelmann und Johanna Wieditz. Die musikalischen Zwischenspiele gestaltete Sebastian Emde an der Orgel.

 

 

Der Deutschkurs von Frau Wunderlich hatte gemeinsam den Roman „Auerhaus" gelesen. Bov Bjerg erzählt darin von Schülern, die kurz vor ihrem Abitur eine WG gründen und ganz und gar ausgerichtet sind auf ihr Abitur. Frieders Freunde sind fixiert auf Frieder, denn der hat versucht sich umzubringen. Sie unternehmen viel und machen Unsinn - und genau das hilft Frieder, um wieder inmitten vom Leben zu sein.

 

Severina Nast stellte in ihrem Essay über das Wort INMITTEN einen Bezug zwischen den Romanfiguren und dem diesjährigen Leitthema her.

INMITTEN… ein Wort, wie man es heute kaum noch hört. Umschreiben wir es anders? Vielleicht mit: mit beiden Beinen im Leben stehen oder umgeben sein von anderen?  Inmitten von Leben könnte man also so deuten, dass man von Leuten umgeben ist und Dinge erlebt, die einem den „Sinn des Lebens“ zeigen. Menschen, die einsam sind, sind oft nicht glücklich.

 

In ihrer Angst um Frieder hat Severina ihm einen Brief geschrieben:

Hallo Frieder,

ich habe gehört, dass ihr nicht mehr im Auerhaus wohnt, und wollte fragen, wie es dir so geht? Du musst INMITTEN vom Leben bleiben und dich nicht wieder so zurückziehen wie früher, denn da hättest du dir fast dein Leben genommen. Was hätten deine Freunde in der Zeit gemacht, die du jetzt mit ihnen erlebt hast? Die hätte es ohne dich nie gegeben… Komm lieber wieder zurück …

 

Das Werk geht traurig aus. Frieder nimmt sich am Ende tatsächlich das Leben. Und dennoch bleibt die Botschaft bestehen: Dass der Weg hinein in die Gemeinschaft und das Leben INMITTEN der Freunde und Familie ein Weg, ein Ausweg ist. 

 

Die Religionsgruppe der Jahrgangsstufe 7 von Frau Jilg dachte sich eine Reise Albert Schweitzers in das Kassel der Gegenwart aus. Nach einer langen Zugfahrt steigt er am Bahnhof Wilhelmshöhe aus dem Zug, er fährt mit der Linie 1 ins Stadtzentrum und steigt am Friedrichsplatz aus, besucht die Aue und schließlich den Bergpark Wilhelmshöhe.

Lisa-Marie lässt Schweitzer zu dem Gedanken kommen, es sei merkwürdig, dass die Menschen auf den Ausgang zuströmen, ohne aufeinander zu achten, sie rempeln sich gegenseitig an, schauen auf kleine eckige Geräte und scheinen wenig Ehrfurcht vor dem Leben zu haben. Überall liegen Verpackungsmaterialien und Essenreste herum, warum räumt sie keiner weg?

Und Merle ergänzt für ihn: Das Leben der Menschen sollte davon geprägt sein, dass alle Menschen dazugehören und Leben inmitten von Leben möglich ist.

Für Eriks Albert Schweitzer zeigt sich die Natur zeigt sich auch im Herbst von einer schönen Seite. In solchen Momenten, wenn einem die Herbstsonne in das Gesicht scheint, ist es schön zu sehen, was das Leben mir, dir und allen anderen gibt.

Marla lässt Schweitzer unsere Schule betreten und vor seiner eigenen Gedenktafel innehalten. Er liest: „Was ein Mensch an Gütigkeit in die Welt hinaus gibt, arbeitet an den Herzen und dem Denken der Menschen.“ Von einem Lehrer lässt er sich das RIPA-Projekt erklären und betritt schließlich die voll besetzte Aula, in der bis zu diesem Augenblick über den Ausgangspunkt seiner Ethik der Ehrfurcht vor dem Leben nachgedacht wurde. So formuliert Marla für Schweitzer die Worte: Hier wurde das eigene Lambarene geschaffen.  Jeder kann sein Lambarene erschaffen, man muss nicht nach Lambarene selbst gehen, um eines zu haben.

 

Die Klasse 5e von Herrn Zick stand geschlossen auf der Bühne und begrüßte die Kinder am Rio Chambira: Wir, die Kinder aus der Klasse 5e, haben Bilder von eurer Heimat gesehen und einen Film geschaut, in dem die Probleme geschildert wurden, vor die euch der ganz normale Alltag stellt.

Sowohl die von der Klasse gemalten und projizierten Bilder als auch die vorgetragenen Wünsche für die Kinder der Urarina zeigen, dass sie mit großer Aufmerksamkeit und Empathie den Film über die Arbeit in Südamerika aufgenommen haben, die zur Hinführung auf RiPa u.a. dem gesamten Jahrgang 5 vorab gezeigt worden war.

So sind auch die weiteren Wünsche der Zehn- und Elfjährigen einzuordnen:  Ich wünsche euch, dass ihr gesund werdet. Ihr sollt nicht mehr so lange fahren müssen, um zur Klinik zu kommen. Ich hoffe, dass die Malaria übertragenden Mücken weniger werden und euer Immunsystem Abwehrkräfte gegen Krankheiten wie Keuchhusten entwickelt. (Julie Thoran)

Ich wünsche euch, dass euch bald mehr geholfen werden kann als jetzt. Ihr wohnt in einer Gegend der Erde, die zwar wunderschön ist, aber auch voller Gefahren. Ja, es ist sogar eine Gefahr, wählen zu gehen, da eure Eltern dafür eine lange Reise auf sich nehmen und euch Kinder dabei zurücklassen müssen. (Leonora Maliqi)

Ich wünsche euch. dass ihr noch mehr lernt, euch selbst zu helfen und selbstständig zu werden. Ich wünsche euch eine Schule, in der ihr Lesen und Schreiben lernt, damit ihr eine gute Zukunft habt. (Jeshua Holländer)

Ich wünsche euch, dass ihr vor Stürmen, Unwetter und vor Fluten geschützt seid. Eure Umwelt soll nicht weiter zerstört werden, euer Fluss nicht mehr mit Öl verschmutzt werden und eure Kultur soll erhalten bleiben. Ihr sollt weiter INMITTEN des Urwaldes leben können. (Anneke Henniges)

Ich wünsche euch, dass die Träume, die ihr für euer Leben habt, wahr werden können. Wir möchten, dass euer Leben nicht aus Angst, Sorgen und Problemen besteht, sondern ihr gute Freunde findet, die euer Leben reicher machen. (Dahlia Stoyye)

Sofie Wenzel beschließt den Beitrag ihrer Klasse 5e: Von ganzem Herzen wünschen wir euch, dass wir einen Teil dazu beitragen können, euer Leben zu verbessern. Frei nach Albert Schweitzer: „Das Wenige, was wir tun können, ist viel.“

 

Weitere Facetten des Themas und aufschlussreiche Gedanken zum Abend trugen die Schülerinnen und Schüler der Klasse 5b vor, die Auszüge aus ihrem Musical aufführten.

Die Ethik-Gruppe der Klasse 9 von Frau Steinmetz hatte Schülerinnen und Schüler und einige Lehrkräfte befragt (und dabei gefilmt), was sie mit Schweitzers Ethik und dem Zitat verbinden, das dem RiPa-Projekt 2016 den Namen gab. Eine Auswahl von Antworten präsentierte die Lerngruppe in einem Video. 

 

 

 

Und der Himmel, den ich suchte, den finde ich irgendwo.

Ich will spüren, dass ich mein Leben gelebt habe.

Als Sarah und Veronika „Gabriellas sång“ vorgetragen hatten, beendete ein lang anhaltender Beifall einen stimmungsvollen und gelungenen Abend.

 

Dass das Abendprogramm in einer solchen Professionalität ablief, ist einzig unserem Techniker-Team zu verdanken: Aaron Schlitt, Nicolas Jochum und Timo Laue sind echte Profis. Wie stellt Herr Riehl schon am Abend treffend fest: „Hier bündeln sich dem staunenden Publikum Kompetenz und unermüdlicher Einsatz.“

 

Dem wundervollen Abend folgte ein lebendiger Samstag mit einem begeisternden Engagement und vielen bereichernden Begegnungen.

 

Und am Ende stand fest, dass wir dieses Jahr sicher die 17.000 Euro-Marke erreichen werden, um damit die wichtige Arbeit in Südamerika in der „Clinica Tucunare“ zu unterstützen. Damit wirkt die Schulgemeinschaft in der Tradition der Jahrzehnte einmal mehr auch im Geiste Albert Schweitzers und seiner Ehrfurcht vor dem Leben INMITTEN einer Welt, die unserer Hilfe bedarf.

 

Wir sagen DANKE.